Weidelbach – Geburtsort

Ich weiß, es gibt ein Baby-Foto von mir in den Armen meiner Mutter. Nur weiß ich nicht, wo ich suchen soll um es zu finden.

Heureka 🙂 .

Klein Gabi 001

Und hier noch ein Foto vom Kindergarten Jahrgang 1955/56 und 1957.

Alte Fotos 002

Auf dem Geburtstag meiner Mama, am 4.10.2015 habe ich erfahren, dass Weidelbacher hier auf meiner Seite waren. Ich versuche es noch einmal: Hat noch jemand Fotos von 1960-1975? Ich sollte mir eine NichtvergessenMamafragen Liste anlegen, da ich fast nie daran denke beim Telefonieren oder bei unseren Besuchen.

Nun, dachte ich, fange ich mit meiner Schulzeit an. Grundschule Weidelbach. Lehrer Hof. Ich fand ein Foto in dem Buch „Oij Dorf“ , herausgegeben vom Heimatverein Weidelbach. Dort sah ich noch weitere interessante Fotos. Gestern habe ich bei Facebook gepostet: «An alle Weidelbacher, suche Fotos von meiner damaligen Grundschule, am Hofacker» und «Gibt es den Heimatverein noch?». Bis jetzt hat sich niemand gemeldet, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Zur Not kann ich meine Mutter anrufen. Ah……da fällt mir ein, sie hat sicher auch noch Kinderfotos von mir 😀 .

„Weidelbach ist ein Dorf mit 600 Einwohnern und liegt am Rande des Westerwaldes…….“ Das ist das Einzige was bei mir über Weidelbach aus meiner Grundschulzeit hängengeblieben ist. Internet gibt da mehr her 🙂 .

«Zum Stichtag 31.12.2013 waren von 710 Einwohnern 677 mit Hauptwohnsitz in Weidelbach gemeldet. 675 hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Im Geschlechterverhältnis teilt sich in 368 männliche und 342 weibliche Einwohner(innen).Die Einwohner sind überwiegend evangelisch. Die bis dahin selbstständige Gemeinde Weidelbach wurde am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Stadt Haiger eingegliedert.» Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Weidelbach_(Haiger)

Hmmmm….die Weidelbacher antworten nicht. Meine Gedanken diesbezüglich behalte ich lieber für mich. Muss ich die Tage meine Mutter interviewen.

Zwischendurch kann ich einige Fotos vom letzten Besuch, am 20. Mai 2015  hochladen. Bevor wir im Dorf ankamen, ging ich kurz mit Murphy ein paar Meter laufen. Der Weg ist glaube ich der Zweite über dem zum Oberroßbacher Fußballplatz.

Dillenburg 077 Dillenburg 079 Dillenburg 090 Dillenburg 092

Landschaftsbilder von der Straße aus Richtung Frohnhausen kommend.

Dillenburg2015 013 Dillenburg2015 016

Blick auf das „Unterdorf“

Dillenburg2015 010 Dillenburg2015 014

In diesem „Tümpel“ hat Gabi schwimmen gelernt. Damals noch etwas anders angelegt, war die Grünfläche um den Brandweiher Liegewiesen für Dörfler und Badegäste. Ich erinnere mich, dass ich öfters meinen Chemielehrer mit seiner Tochter, aus Rodenbach kommend, dort traf. Durch die Pferde hatte ich eine besondere Verbindung zu ihm und der Unterricht machte mir viel Freude. Wahlpflichtfach natürlich Chemie 🙂 . Jetzt muss ich grinsen. Hatte ich dies doch all die Jahre vergessen und glaube  auch nie unserem Mittleren erzählt, der gerade im Moment seinen Doktor in Chemie macht. 🙂 .

Dillenburg2015 021 Dillenburg2015 022

Hier ging ich ungewollt in die Lehre und wurde zur Bürokauffrau ausgebildet. Man möge es mir verzeihen, aber ich war nie glücklich dort. Wie auch. Gewohnt jede freie Minute draußen zu verbringen fühlte ich mich im Büro eingesperrt. Der Betrieb hat sich sichtlich vergrößert. Ob von meinen ehemaligen Kollegen-Kolleginnen noch welche dort arbeiten? Von meinem Ausbilder Herr Herr (kein Tippfehler) weiß ich, dass er sich selbst umgebracht hat. Er fuhr mit seinem Auto gegen eine Mauer. Eine weitere traurige Nachricht erfuhr ich an diesem Tag. Anette, gleiches Alter wie ich und Kollegin, vom Schicksal arg gebeutelt, ist verstorben  🙁  .

Dillenburg2015 023

Hauberg in Weidelbach

Dillenburg2015 076 Dillenburg2015 077 Dillenburg2015 079

In den Hauberg musste ich als Kind um die kleineren Stöcke zu sammeln die gebündelt wurden. Später wurden sie zusammen mit den Stämmen zum Haus gefahren. So weit ich mich erinnere, zog eine „Kreissäge“ von Haus zu Haus um die Stämme in gleichgroße Stücke zu schneiden, die später dann mit einer Axt gespalten und als Brennholz im Schuppen gelagert wurden. Mehr über die Hauberge bei   http://de.wikipedia.org/wiki/Hauberg

Hier mein Elternhaus und ein Bild von meiner Mutter, mittlerweile 81 Jahre alt.

Dillenburg2015 024Dillenburg2015 025

Dillenburg2015 026Dillenburg2015 028

 

Meine Mutter kommt aus der Ecke. Habe ich nie hinterfragt und nur durch meine Schreiberei fiel mir ein, dass ich das nicht wusste. So wie meine Oma Hedwig ist auch meine Mutter dort geboren und sie haben auch die erste Zeit dort gewohnt. Mama war sich nicht ganz sicher, meinte aber die Großeltern hätten 1942 in der Harth gebaut. Ich bin 56 geboren.

Eine Kirche gibt es auch. Mir ist zum ersten Mal aufgefallen, dass sie rechteckig ist 🙂 . Dabei bin ich als Kind sicher täglich daran vorbeigelaufen und später auch noch oft genug. In Vorbereitung auf unsere Konfirmation war sonntags Kirchenbesuch angesagt. Wir hatten ein Heftchen in dem der Pfarrer nach dem Gottesdienst sein Häkchen machte. An das Aussehen des Kircheninneren kann ich mich gut erinnern. Ich weiß auch noch, dass sie irgendwann renoviert wurde. Wenn ich damit falsch liege, bitte melden, aber ich bin mir fast sicher, die Malereien und Ausbesserungen wurden von Herrn Weitzel ausgeführt. Anscheinend schon als Kind neugierig, habe ich mir die Arbeiten in der Kirche angeschaut und fand es hochinteressant.

Dillenburg2015 090 Dillenburg2015 089

Für die „Lichterkette“ hätte sich sicher eine bessere Lösung gefunden.

Je mehr ich mich mit Weidelbach beschäftige um so mehr fällt mir aus meiner Kindheit und Jugendzeit ein. Fragt sich nur, was ich von all dem preisgeben will.

Meine Mutter hat mir mal erzählt, dass ich noch nicht laufen konnte, mir aber schon den Arm ausgekugelt hatte. Etwas später im offenen Küchenfenster gesessen habe, damals noch bei meiner Oma wohnend. Im Keller einige Gläser umgeschmissen habe, wo sie dachten ich wäre voller Blut, dabei war das Meiste Erdbeermarmelade. Die Narben von den Glassplitter auf meiner Stirn sind immer noch zu sehen. Gesucht haben sie mich und ich hatte mich in die Hütte des Wachhundes der Bäckerei verkrochen. Nicht weniger gefährlich. Diese Geschehnisse kenne ich aus Erzählungen. Erinnern tue ich mich mit meiner Oma in Ewersbach an einem Waldweiher(Schwimmbad?) gewesen zu sein und ich bin reingefallen(?). Oder planschte ich im Flachen und geriet in tiefere Gefilde? Das weiß ich nicht mehr, aber ich sehe noch genau, wie meine Oma hektisch ins Wasser sprang so wie sie war, also mit Klamotten und mich rausholte. Neugierig wie ich bin habe ich jetzt mal bei Google „Ewersbach Waldschwimmbad“ eingegeben. Ein Stauweiher ist es und recht groß. Frage mich gerade, warum ich später, bis auf ein einziges Mal mit Bubi (Pony) nie mehr dort gewesen bin. Sieht doch recht schön aus und Ideal zum Schwimmen. Zu finden ist der See unter:

http://www.freizeit-mittelhessen.de/tags/wassersport/baden.html?page=2

Oh, gerade habe ich gelesen: Für Kinder nur bedingt geeignet!!! Anscheinend gab es noch mehr Vorfälle.

Da ich nun schon mal  in Ewersbach gelandet bin, einige Daten. Es liegt ca. 4 km von Weidelbach entfernt im Dietzhölztal. Zu meiner Zeit gab es zwei Ärzte, die auch für die umliegenden Dörfer zuständig waren. Mit meiner Oma bin ich manchmal nach Ewersbach zu Fuß. Mal ging sie zum Arzt, mal wurden Verwandte/Bekannte besucht und immer auf dem Rückweg beim Metzger vorbei, der einen Bernhardiner besaß. Für mich gab es ein Stückchen Fleischwurst und meine Oma sagte jedes Mal, dass ich eines Tages bei ihm soviel Wurst essen dürfe, wie in mich hinein passen würde. Sicher nur eine Floskel. Mehr wie das Stückchen Wurst gab es nie. Was sicher auch daran lag, dass ich dann zur Schule ging und später ein Metzgerladen in Weidelbach aufgemacht wurde. In meiner Pferdezeit bin ich öfters mal nach Ewersbach geritten, ansonsten zog mich nichts dorthin. Auch während meiner Jugendzeit nicht, die verbrachte ich doch weitgehend in Weidelbach. Es gibt da noch Offdilln, auch so 4km von Weidelbch entfernt. Dort wurde mein Vater geboren. Sonntags ging es, auch zu Fuß, oft in das Dorf die Verwandtschaft besuchen. An meinen Opa väterlicherseits kann ich mich nicht mehr erinnern, er ist früh verstorben, aber an meine Oma Anna, Papas Geschwister, die Partner, an meine Cousinen und Cousins, Stricktantchen, Nachbarn und vieles mehr. Ich war gerne in Offdilln. Jetzt beim Tippen spüre ich noch wie glücklich ich immer war einen Teil meiner Ferien dort verbringen zu dürfen. Mit einem meiner Cousins verlebte ich unbekümmerte Tage. Wir übernachteten Beide bei Oma Anna und amüsierten uns köstlich, wenn sie abends beim Fernsehen einschlief. Wir durchstöberten ihren Dachboden und horteten einen Schatz in einem kleinen Kästchen. Was er genau beinhaltete, weiß ich nicht mehr. Eines Tages vergruben wir ihn an der Uferböschung der Dill. Mein ältester Cousin ging manchmal mit uns an den Bach wo wir Forellen fingen. Ohne Hilfsmittel, mit unseren Händen. Die wurden zu Oma Anna gebracht die uns die Fische briet. Noch heute habe ich den Duft in der Nase und wann immer ich mal wieder Forelle gegessen habe, nie waren sie so gut wie die von Oma. Bei Oma Anna gab es „Ubäckel“. Genaue Schreibweise konnte mir auch Google nicht liefern. Ubäckel waren eine Art Pfannkuchen, nur wesentlich dünner. Und so etwas von lecker. Habe sie seit meiner Kindheit nie mehr gegessen und vermutlich gab es ein spezielles Waffeleisen dafür. Als ich noch kleiner war hatte sie 2 Kühe und einen Schäferhund. Sie hat auch noch selbst Butter gemacht, die ich nie essen wollte. Zu feiern gab es bei so einer großen Familie immer etwas und es gab ein Zimmer mit einem, aus der Sicht eines Kindes, riesengroßen Tisches auf dem die schönsten, leckersten Kuchen standen. Abends Kartoffelsalat mit Petersilie. Warum mir die Petersilie so in Erinnerung geblieben ist? Einer meiner Onkel hatte Kaninchen, ich weiß nicht ob öfters, aber ich weiß, dass er mir mal ein Junges geschenkt hat. Fotos habe ich keine von Offdilln, aber viele Bilder in meinem Kopf die ich gerade beim Schreiben abrufe. An was man sich so alles erinnert 🙂 .Hier aber einen link, falls Interesse besteht: http://de.wikipedia.org/wiki/Offdilln     Oberrossbach möchte ich nur kurz erwähnen. Dort wohnte ein Bruder meiner Oma mütterlicherseits. Er war Imker und hatte auch Kaninchen und eine sehr große Modeleisenbahn. Fellerdilln war der Ort den ich am wenigsten mochte. Ich tippe nur ein Wort: Zahnarzt. Zurück zu Weidelbach. Wo war ich stehengeblieben?

Kindergarten. Spontan zu Kindergarten fällt mir Tante Liesel und Lebertran ein. Weihnachtsbasteleien und eine „Kratzbürste“, die ich hier namentlich nicht nennen möchte 🙂 . Spielen im Außenbereich und Spaziergänge. Osterfeier auf einer Wiese mit aus Papier gebastelten Blumenblüten auf dem Kopf. Lieder und Stuhlkreis. Gegenüber des Kindergartens befand sich die Schule.

An meine Einschulung kann ich mich gut erinnern, auch dass es vorher eine ärztliche Untersuchung gab. Die war im oberen Klassenzimmer. Vier Mädchen und vier Jungen waren wir. Bärbel, Ute, Anette und ich, Martin, Ulrich, Reiner und Günther. Die ersten vier Klassen wurden im unteren Zimmer gemeinsam unterrichtet. Lehrer Hof verzierte die Tafel mit Blümchen und einem „Herzlich Willkommen“ für die Neuankömmlinge und anwesenden Eltern. Eine Schultüte gab es auch. Die Schule viel mir leicht und ich hatte gute Noten. Nach der „Schiefertafelzeit“ gab es den ersten Füller. Noch mit Tintenfässchen und Läppchen zum sauber machen. Mit Ute war ich verwandt und wir spielten öfters zusammen. Auch mit Martin, der schräg gegenüber von uns wohnte. Wir gingen morgens zusammen zur Schule. Es gab einen Schulgarten in den wir manchmal gingen zum „Unkraut rupfen“ und unser Klassenzimmer wurde mit Holz beheizt. Kam eine Lieferung bildeten wir Schüler eine Kette und reichten die Holzscheite weiter bis in einen angrenzenden Schuppen, wo es gelagert wurde. Es gab ein dünnes „Stöckchen“ für die Hände und ein „in die Ecke stellen mit dem Gesicht zur Wand“ bei Unaufmerksamkeiten wie „im Unterricht reden“ oder „Unsinn machen“. Schade, dass die Schule nicht mehr steht, ich hätte mir sie zu gerne noch einmal angeschaut. Handarbeitsunterricht gab es und es wurden Topflappen gehäkelt. Die Wolle meine ich gab es bei Rewe. Die Bäckerei war gleichzeitig der zweite Lebensmittelladen. Bäckerei mit Laden gibt es heute noch. Am Quingel war auch ein Geschäft, mehr ein Krämerladen. Und das Haus hatte irgendwie etwas mit Afrika und Missionar zu tun.

Anfangs wohnten wir, meine Eltern, mein Bruder und ich noch in dem Haus meiner Großeltern. Meine Mutter arbeitete in einer Gartenmöbelfabrik, mein Vater als Polier in einem Bauunternehmen Vorort. Sehr vage kann ich mich an Hühner und eine Ziege erinnern. Besser an die Ferkel die über das Jahr gefüttert und im Herbst geschlachtet wurden. Wir hatten lange einen Kartoffelacker. Oma Hedwig lieh sich eine Kuh im Dorf aus zum Pflügen, die ich führte und die mir ganz oft auf die Füße trat. Das sture Tier wollte oft nicht so wie ich. Kühe gab es überall in den Ställen. Wir mussten auch Kartoffelkäfer absammeln. (Gibt es die überhaupt noch bei all dem Gift, was auf die Äcker und Felder versprüht wird?). Uns wurde erzählt die Amerikaner hätten sie , wie auch immer, abgeworfen. In wie weit dies stimmt wurde nie belegt, sagt Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffelk%C3%A4fer .

 

Winter in Weidelbach sind Erinnerungen an Schlittenfahrten, Schlittschuhfahren auf dem Dorfteich, Wanderungen mit meinem Vater, Schneemänner, Iglu bauen, Pony vor den Schlitten spannen, Rehe am Futterplatz beobachten oben am Denkmal, Schnee schippen und gefrorenen Fensterscheiben, Schneeblumen genannt. Morgens die Treppe runter in Omas Küche konnte man den Atem sehen, so kalt war es. Im Backofen erwärmte Ziegelsteine mit einem Handtuch eingeschlagen bekam man manchmal ins Bett zum Füße wärmen. Oft war es kalt, sehr kalt. Später habe ich mir geschworen, nie mehr im Haus frieren zu müssen. Es gab auch noch einen Nachttopf unter den Betten, damit man nachts nicht von oben bis ganz nach unten in den Keller musste wo die Toilette war. Wir waren ja noch glücklich dran mit einer im Haus. Nachbars Kinder mussten immer nach draußen, Sommer wie Winter.

Frühling Ostern. Eier färben. Eier werfen. Pfingstbraut.

Sommer Schwimmbad.Spielen im Wald.

Herbst Hauberg, Heidelbeeren sammeln. Und der Kartoffelacker 😀 .

Es gab eine Zeit, in der mein Vater sehr viel mit mir unternahm. Wir beobachteten Rehe von einem Hochsitz aus, er zeigte mir Haselnussbäume und wir fanden ein Schlangennest.

Getier 001 Getier 004

 

Er schnitt von einem bestimmten Baum einen Zweig ab, klopfte so lange bis sich die Rinde löste, ein Mundstück wurde geschnitzt und die Rinde wieder auf das Stöckchen gedreht. So, oder so ähnlich entstand eine Pfeife mit wunderschönem Ton. Gab es bei uns Pellkartoffeln mit Heringen verschmähten wir Beide den Fisch uns aßen ein Stück rohen, selbst geräucherten Schinken und etwas Margarine dazu. Hatten sie eine Baustelle in Weidelbach besuchte ich ihn. Mein Opa mütterlicherseits war blind. Er hatte in seinem Keller eine Werkstatt wo er Reisigbesen und Bürsten herstellte. Mein Bruder und ich gingen öfters mit ihm spazieren. Oma und Opa nahmen uns zwei-dreimal mit nach Mündersbach in ein Blindenerholungsheim. Da gab es eine Landschildkröte mit einem Loch im Panzer durch das man ein Kordel gezogen hatte. Die Kordel war an einem Pfahl befestigt um so einem „nicht mehr finden“ vorzubeugen, da sich das Tier ansonsten frei auf einer Wiese bewegen konnte. In Weidelbach gab es ein Gemeindehaus wo Gottesdienste abgehalten wurden. Ich frage mich gerade, ob es für einen Blinden möglich war, aber ich habe in Erinnerung, dass mein Opa vor Veranstaltungen den Ofen anheizte und auch das Harmonium spielen konnte. Ich bräuchte unbedingt jemanden, der mir alle meine Fragen zu meinen Kindheitserinnerungen beantworten kann. Meine Großeltern gingen nicht zur Kirche sondern in diese Gemeindehäuser und es hieß immer „Versammlung“.

Habe vorhin mit meiner Mutter telefoniert, 21.7.2015. Tue ich immer nach unseren Reisen. Die einzige Frage, die mir während unseres Gespräches einfiel war die nach meiner Oma Hedwig. Wo sie herkam. Dachte aus Ewersbach. Stimmt nicht. Sie kommt aus der „Ecke“ und ihr Vater oder war es Großvater kam von dem Nachbarsdorf. Da sind Oma und Mama in der „Ecke“ geboren. Ganz neu für mich. 1942 haben meine Großeltern dann in der Harth gebaut laut meiner Mutter. Während dieser Zeit wurde mein Opa blind. Aus Erzählungen weiß ich, dass sie während des Krieges einige Male in Frankfurt bei einem Augenspezialisten gewesen sind. Schade, dass ich dazu meine Oma Hedwig nicht mehr befragen kann. Sie haben während dieser Zeit ein Frankfurter Mädchen bei sich aufgenommen, die meine Patentante Inge wurde.

Ich schreibe jetzt einfach mal alles so auf, ohne auf zeitliche Reihenfolgen zu achten. Das kann ich später immer noch tun. Meine Mutter sagte mir heute, dass, wenn man älter wird man sich ganz oft an „früher“ erinnert und sich genau so oft darüber unterhält. Mir geht es auch so. Möchte nach dem Wilhelmsturm noch einmal nach Dillenburg ins  Gestüt und nach Haiger zu meiner Schule. Da ich von den Weidelbachern nichts gehört habe hatte ich eine neue Idee. Freilichtmuseum Hessenpark im Taunus mit vielen alten Häusern, Kirchen und wenigstens einer Schule (beim letzten Besuch vor -zig von Jahren).

Sonntag abends holte ich frische Milch unten am Quingel bei „Schäfers“, da, wo meine Mutter in der Gartenmöbelfabrik arbeitete. Verbunden war dies mit dem gucken von ?????. Ich meine, es wäre Bonanza gewesen, gesendet im ZDF und das hatten wir zu Hause noch nicht. Ich erinnere mich an die dunkle Jahreszeit wo ich immer am Friedhof vorbei musste und ich mich schon ein wenig gruselte. Später habe ich die Serie in der „Ecke“ geguckt im Kreis der Familie Schüler. In der „Ecke“ konnte man auch tanken. Eine Werkstatt besaßen sie damals in Ewersbach. Ein paar mal habe ich bei Ute übernachtet. Eine Nacht ist mir besonders in Erinnerung geblieben. In der Nachbarschaft gab es ein Kind mit Herzfehler. Wir unterhielten uns darüber. Es starb bei der Operation. Ob sie damals schon eine eigene Schreinerei hatten? Später befand sie sich in der Nachbarschaft von Edi und Paul.

Im Moment fällt mir nicht mehr viel ein bis auf die Dorftratscherei, die ich wirklich, man möge mir auch dieses heftige Wort verzeihen, zum Kotzen fand. Ich war nie ein Kind von Heimlichkeiten, warum auch, ich tat nichts schlimmes. Dennoch gab es Gerüchte die mich verletzten, weil sie einfach nicht wahr waren. Damals noch so naiv zu denken, wer mich kennt weiß wer und wie ich bin und glaubt all die Lügen nicht, vertraut mir, musste ich erkennen, dass dem leider nicht so war. Aus einem Feuerzeug, welches ich aus versehen einsteckte wurde ein Drama kreiert als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Es war so lächerlich und noch heute neige ich dazu, alle Feuerzeuge in meiner Nähe einzusammeln, ob es meine sind oder nicht. Das ist keine böse Absicht sondern eine Macke. Das Allerschlimmste für mich, dass mir Telefonanrufe nachgesagt wurden, die ich nie getätigt hatte. Ich wusste genau, woher sie kamen. Mir wurde nicht geglaubt und nachdem ich mit der Frage konfrontiert wurde, ob ich mit Haschisch deale war ich entsetzt und traurig. Es brachte mich endgültig dazu mir selbst zu sagen: Es reicht! Ich hatte die Schnauze voll mich für Dinge zu rechtfertigen, die ich nicht getan hatte. Ich schloss mich, durch Edi und Paul kennengelernt, immer mehr den langhaarigen Frankfurtern an, was natürlich für neuen Gesprächsstoff sorgte. Sie nahmen mich mit auf die Kirmes, mal in die Disko oder wir ritten gemeinsam aus. Ich war bei ihnen so gut aufgehoben und sie respektierten mein Alter. Das mit Hans und mir entwickelte sich später und mein Freundeskreis in Weidelbach änderte sich. Andere Freunde, Freundinnen und Hans sahen mich so, wie ich wirklich war und es schien ihnen zu gefallen. Und ja, Hans und ich rauchten auch einmal ein Haschpfeifchen 🙂 . Was ein Vergehen 😀 . Alles was wir taten war harmlos. Dabei blieb es was das Konsumieren dieser  Art von Drogen betraf. Hans immer wieder einmal Nichtraucher rauche ich leider heute noch Zigaretten. Diese Sucht hat mich voll im Griff. Dabei kann ich so gut nein sagen, was Alkohol betrifft und nichts und niemand kann mich dazu verleiten, nur ein Schlückchen zu trinken. In der Zeit wo sich die Freundschaft zwischen Hans und mir vertiefte war ich laut Dorfgetratsche mindestens zweimal Schwanger und wir hatten bei einer dieser Schwangerschaften auch schon eine gemeinsame Wohnung in der Harth. Überlege gerade, ob ich damals sogar noch Jungfrau war 😀 . Oft habe ich gedacht, es werden Gerüchte von Leuten in die Welt gesetzt, die einfach nur von sich selbst ablenken wollen. Und jetzt frage ich mich, warum ich das überhaupt tippe. Um in die Welt hinaus zu posaunen wie ungerecht behandelt ich mich als Teenager fühlte? Keine Ahnung. Intensiv mit meiner Kindheit und Jugendzeit durch die Schreiberei konfrontiert sind mir Dinge eingefallen in Weidelbach geschehen die ich noch nicht einmal aufschreiben möchte. Heute kokettiere ich ab und an damit, dass ich bis zu meinem 16.Lebensjahr viermal angezeigt wurde. Schießen mit dem Luftgewehr hinter unserem Elternhaus, fahren ohne Führerschein, mit dem Pferd über einen Acker galoppiert und, da war sogar die Kripo vor Ort, ich hatte einen Zettel in einem Garten hinterlegt, auf dem, den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr, so in etwa stand; „Vorsicht oder Rache. Die schwarze Hand.“ Ich war 13 und verbrachte viel Zeit bei den Pferden. Über einer der Pferdeweiden war ein Garten. Diese Eigentümer warfen ihre Steine auf die Koppel was uns, wir waren zu Dritt, nicht passte und so schrieben wir unsere Nachricht und hinterlegten sie. Hallo? Wie waren Kinder! Ein Streich. Wie konnte man das ernst nehmen und die Kripo informieren, wo sie doch genau wussten, wer dahinter steckte. Gut, das mit dem Luftgewehr konnten wir nachvollziehen. Damals standen dort noch keine Häuser, dennoch war es keine gute Idee. Dieser Acker über den ich geritten sein sollte blieb mir schleierhaft. Die Polizei kam zu meinem Ausbildungsplatz und war genau so amüsiert über die Anzeige wie ich. Wer da hinter steckte fand ich nie heraus. War mir aber auch egal. Fahren ohne Führerschein wurde von unserer Nachbarin angezeigt und blieb auch die Einzige mit Konsequenzen. Hans musste 200,00 DM Strafe als Fahrzeughalter bezahlen, ich durfte vier Stunden im Dillenburger Krankenhaus helfen. Danach war Gabi lieb und brav 😀 und wurde, bis heute, nie mehr angezeigt. Sie zog nach Frankfurt, heiratete, arbeitete im Büro eines Getränkelieferanten, bei den Geometern und über zwanzig Jahre bei der Stadt Frankfurt. Sie bekam mit Hans drei Kinder, zwei Jungs, ein Mädel und ist mächtig stolz auf ihren Nachwuchs. Ob sie über ihre Frankfurter Zeit schreiben wird, steht noch in den Sternen.

Einen Satz noch. Meine Mutter hat mir mal erzählt, wann immer sie irgendetwas zugetragen bekam war ihre Antwort: Kehrt vor eurer eigenen Haustür. Und damit hatte sie so etwas von recht. Die Moralapostel, die moralischer waren als jeder Apostel lernte ich kennen. Mit kindlicher Verwunderung und Erstaunen beobachtet, wie ein so frommer Mann seine Kinder des Öfteren mit einem Gürtel verprügelte wo Gott doch so viel von Liebe sprach. Unser Pfarrer im Nachbarort wohnend war nicht bereit für den Konfirmandenunterricht einen Umweg zu fahren und ließ ihn wegen Straßenbauarbeiten ausfallen. In der Schule in Haiger hatten wir Religion und ich vergesse nie, wie dieser Mensch von hinten einem Mitschüler eine Ohrfeige gab, so richtig fest was mich schockte. Ich fing früh an, die Religion, so wie sie bei uns gehandhabt wurde, zu hinterfragen und mir meine eigenen Gedanken dazu zu machen. Unsere Kinder sind nicht getauft und auch in der Schule ließen wir sie frei entscheiden ob sie am Religionsunterricht teilnehmen wollten oder das Fach Ethik bevorzugten. In Preungesheim wohnend sind wir aus der Kirche ausgetreten, was unserem Pfarrer der auch Nachbar war, nicht so wirklich passte. Dass er nicht der Grund dafür war konnten wir ihm hoffentlich gut genug erklären. Meine Schwiegermutter hat mir mal gesagt, dass sie keine Kirche braucht um zu glauben. Und wenn man sich etwas mehr mit der Geschichte auseinander setzt, Bücher liest begreift man irgendwann, wie viel Leid und Grausamkeit die Kirche unter dem Deckmäntelchen des Glaubens der Menschheit zugefügt hat. Über das Heute werde ich mich nicht äußern. Sehr zum Leidwesen meines Mannes bin ich seit -zig Jahren politisch vollkommen desinteressiert. Nun, mit den Jahren erfuhr ich mehr über die Moral einiger Dorfbewohner, die ich aber, wie oben erwähnt, für mich behalte.

Liest sich als würde ich keine gute Erinnerungen an mein Heimatdorf haben, was so ja auch nicht stimmt. Aber wir Menschen neigen dazu, das Schlechte in Erinnerung zu behalten und das Schöne zu vergessen. Ich erinnere mich an Fußball spielen oberhalb des Friedhofes, durchstreifen des Waldes, Schlitten fahren, Schlittschuhlaufen auf dem Dorfweiher und Leute ärgern. Das konnten wir auch. An den Haustüren klingeln und weglaufen zum Beispiel. Gartentore aushängen und verstecken. Wandern mit der Dorfjugend und Lieder singen. „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ sangen wir wesentlich besser als Heino 😀 und es gab Maifahrten mit Traktor und Anhänger. Wasserplanschen in der Nachbarschaft. Sich Milch direkt aus dem Kuheuter in den Mund spritzen. Schwimmbad. Kutschfahrten mit Bubi. Ostereier werfen hinter Oma Hedwigs Haus auf der Wiese fällt mir noch ein. Ich durchstreifte ganz oft als Kind alleine den Wald und im Winter fand ich die verschiedenen Spuren der Waldtiere spannend. Neugierig in jeder Phase meines Lebens. Einmal guckte etwas unter dem Schnee heraus was ich anfasste und hervor zog. Ein toter Fuchs. Damals noch Tollwut gefährdeter Bezirk hatte ich eine Weile ziemliche Angst mich eventuell angesteckt zu haben. Das zweite Mal war es kein Fuchs sondern eine tote Ratte die ich am Schwanz haltend vor mich hielt. Ich war immer sehr erschrocken bei solchen Funden doch nichts hält mich selbst heute davon ab meine Neugier zu stillen entdecken meine Augen „things of interest“ 😀 .

Gabi und die Pferde ist eine eigene Geschichte, die noch nicht geschrieben werden möchte. Eine kurze Beschreibung findet man unter Hobby Gabi Pferde.

 

 

 

 

 

 

Zurück zur Startseite⇒ http://wohnwagen-reisetipps.de/?p=154

 

 

 

Ein Gedanke zu “Weidelbach – Geburtsort

  1. Pingback: Reisen im Wohnwagen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.