Haiger – Realschule

In Haiger habe ich die Johann-Textor Schule besucht mit Realschulabschluss. So weit ich weiß ist es heute eine Gesamtschule. Was ist mir in Erinnerung geblieben? Fange bei den Lehrern und Lehrerinnen an. Habe überlegt, ob ich 2 verschiedene Listen anlege. Die Eine mit „mochte ich“ und die Andere mit „gefürchtet“. So viele Jahre vergangen ist das nicht mehr wichtig. Auch wenn mir einige von ihnen im wahrsten Sinne des Wortes „Bauchschmerzen“ bereitet haben.

31.10.2015 Klassentreffen und ich bin nicht dabei. Habe mich nicht fit genug gefühlt. Bin traurig.

4.10.2015. Geburtstag meiner Mutter. Wir wollten uns abends in Haiger beim Restaurant Bacco treffen. Da wir etwas früher ankamen fuhren wir noch zu meiner ehemaligen Schule. Ich war überwältigt von den Erinnerungen was auch sicher daran lag, dass wir Ende Oktober Klassentreffen haben und ich öfters an diese Zeit denke.

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Eingangsbereich ist fast noch so wie damals. So schön bunt war er bei uns allerdings nicht. Anfangs konnten wir noch ungehindert in den Pausen in die Stadt verschwinden, dann kam die Pausenaufsicht und es wurde weit aus schwieriger. In der Bäckerei gab es leckere Brötchen mit Schokokuss, den wir uns oft vor Schulbeginn kauften. Anfangs mussten wir noch mit dem Linienbus fahren und es gab oft Wartezeiten nach Schulschluss. Die verbrachten wir natürlich in der Stadt. Es gab eine Eisdiele, eine Kneipe Zur Traube und Café Steinseifer wo wir uns, schon etwas älter, öfters aufhielten und wir auch manchmal einen späteren Bus nahmen um in der Diskothek Dollar Hugo mittags eine Cola zu trinken.

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Wir hatten auch noch Samstags Unterricht. Und nachmittags Handarbeiten und Kochen. In Haiger gab es die erste Pommes Bude und Verkäuferin war Ilse aus Weidelbach. Dort ging ich oft am Sonntag Vormittag hin um diese, wie nennen sie sich gleich, diese Romanheftchen von Liebe und Leid, Herz und Schmerz zu tauschen? Groschenromane. Ich brachte welche von meiner Mutter mit und bekam für sie Ilses Heftchen. Diesem sonntäglichen Gang verdanke ich so mancher verbruzelten Bratwurst, die nicht mehr verkauft werden konnte und die ich von Ilse bekam. Mit 50 Pfennig Taschengeld die Woche konnte ich mir so eine „Delikatesse“ nicht leisten und war immer glücklich auch wenn sie noch so vertrocknet war 🙂 . Eine weitere dieser „Delikatessen“ war für mich die Schlagsahne von Steinseifers. Für 10 oder 20 Pfennig gab es eine Eiswaffel gefüllt mit dieser Leckerei. Schlagsahne ist heut zu Tage keine Schlagsahne mehr. Sie wird ohne Sahnesteif noch nicht einmal mehr fest. Zurück zum Samstagsunterricht. Der letzte Bus fuhr mittags seine Rundreise über die Dörfer ab und einmal verpasste ich ihn. War bei einer Klassenkameradin zu Hause. Wir gingen einkaufen für ihre Mutter und irgendwie hatte ich die Zeit vergessen. Da stand ich in Haiger und wusste nicht, wie ich nach Hause kommen sollte. Auf dem Marktplatz gab es ein Telefonhäuschen und Gott sei Dank hatte ich ein paar Groschen einstecken. Allerdings gab es damals kaum jemand mit einem Telefonanschluss in Weidelbach. Ich schaute im Telefonbuch nach und wählte die erste Nummer die ich sah und erzählte, dass ich in Haiger war, den Bus verpasst hatte und nicht wüsste wie ich nach Hause kommen sollte. Das war das Telefonat. Ich blieb beim Marktplatz und wartete. Dann hupte es und Frau Sanders, eine Nachbarin die beim Schornsteinfeger wohnte kam um mich abzuholen. Glücklich wieder zu Hause erfuhr ich, wo ich angerufen hatte. Unten am Quingel gegenüber Schäfers, da, wo sich der Gemischtwarenhandel befand. Ich habe leider den Namen dieser Familie vergessen. Jetzt, mit fast Sechzig und wo kaum mehr etwas ohne Handy und Internet funktioniert denke ich öfters an diese Situation zurück. Habe gerade in Oij Dorf geblättert und das Wörtz Haus gefunden und bin mir sicher, dass dort mein Anruf hinging. Haiger Marktplatz verbinde ich immer mit der Mutter einer Klassenkameradin und an eine geblümte grüne Jacke die Bienen magisch anzog. Auf einem Klassentreffen Jahrzehnte später sah ich ihre Mutter wieder und ich empfand die gleiche Freude sie zu sehen die ich damals empfand. Ich sehe es schon, ich muss noch mehr Fotos in Haiger machen. Nur sieht der Marktplatz jetzt ganz anders aus. Zurück zur Schule. In der Grundschule noch Einser in allen Fächern hatte ich in der Realschule anfangs die aller größten Schwierigkeiten. Unsere Deutschlehrerin meinte, ich würde so schreiben, wie ich rede, also mehr Dialekt. Das gab sich mit der Zeit. Musik lag mir überhaupt nicht. Ich konnte keine Noten lesen und hatte das Gefühl, die Einzige zu sein. Kann es selbst heute noch nicht 🙂 . Vorsingen war das Allerschlimmste. Ich brachte keinen Ton heraus. Musik und Englisch waren der Horror. Im Englischunterricht erging es mir wie bei der Musik. Ich blieb größtenteils stumm. Mir graute es vor jeder Stunde in der als erstes die Vokabeln abgehört wurden. Später unter einem anderen Lehrer war es für mich viel entspannter, was sich auch in meinen Noten ausdrückte. In einem unserer Englischbücher gab es einen Bericht über und ein Foto von Schottland. Ich war wie gefesselt von diesem Minibildchen und bin mir sicher, dass in diesem Moment meine Liebe zu Schottland erwachte und mich nie mehr los ließ bis ich eines Tages Land- und Leute kennenlernen durfte. Auch heute noch ist es für mich eine der schönsten Gegenden, die wir bereisen durften. Was hatten wir noch? Sport. Notwendiges Übel. Hat mir keinen Spaß gemacht und bei den Bundesjugendspielen reichte es nie für eine Urkunde. Schwimmen. Obwohl ein Hallenbad in unmittelbarer Nähe waren wir nicht sehr oft dort. So wie im Dauerlauf hatte ich auch eine gute Kondition für Dauerschwimmen, wurde aber nie abverlangt 🙂 . Geschichte, Biologie, Physik waren interessant. Physik allerdings nur so lange, bis ich einmal nach meiner Zeugnisnote fragte und mir dieser Lehrer sagte: Du kennst doch deine Leistungen. Kannte ich. Ich hatte keine Arbeit verhauen und mich auch im Unterricht oft genug gemeldet. Bei der Zeugnisausgabe der Schock. Mangelhaft. Ich verstand ich die Welt nicht mehr. Ich erzählte es niemanden, ich war viel zu schüchtern. Ich habe nie etwas gesagt. Allerdings war ich schlau genug, mir als Wahlpflichtfach Physik auszusuchen. Damals gab es keine schlechte Noten in den Wahlpflichtfächern. Es gab kein genügend, mangelhaft und auch kein ungenügend. So war ich mir sicher, dass mir dieser Lehrer im normalen Unterricht kein mangelhaft geben konnte, wenn ich im Wahlpflichtfach als schlechteste Bewertung ein befriedigend bekam. Er hatte mir allerdings mein ganzes Interesse an Physik genommen. Ähnlich erging es mir mal in Mathe. Ich stand zwischen zwei Noten und bekam die Schlechtere und war so enttäuscht. Alle meine Bemühungen umsonst. Wie in Englisch wurden meine Noten unter einem anderen Lehrer besser. Chemie wurde mein Lieblingsfach. Im wahrsten Sinn des Wortes stimmte hier die Chemie 🙂 .Ich habe es anderen Ortes schon erwähnt. Dieser Lehrer hatte Pferde und wohnte in Rodenbach. Ich erinnere mich, dass er auch schon das ein oder andere mal einen Pferdeapfel im Plastikdöschen mitbrachte und es einer Schülerin gab, die es mit nach Hause nahm. Ihr Vater war Tierarzt 🙂 . Den Unterricht gestaltete er locker und war auch immer zu einem Späßchen bereit. In diesen Stunden verlor ich meine Schüchternheit und lebte regelrecht auf. Kochen und Handarbeiten waren, bis auf Nähen ok. Danke an meine Freundin, die mir mein Kopfkissen inklusiv Knopflöcher zu Hause genäht hat. Kunst und Werken. Kunst war langweilig. Uns wurde nicht wirklich etwas vermittelt muss ich so im Nachhinein feststellen. Werken war wieder etwas, was mir sehr viel Spaß bereitet hat. In meinem späteren Leben und durch unsere berufliche Tätigkeit in einem Schulsystem involviert habe ich mich sehr oft mit der Thematik, wie und was den Kindern in den Schulen vermittelt, gelehrt wird, auseinander gesetzt. Non scholae, sed vitae discimus wie schon Seneca feststellte: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir!“ Leider wird er immer wieder falsch zitiert, selbst auf der Abschlussfeier unseres ältesten Sohnes von dessen Klassenlehrer. Habe ich alle Fächer durch? Denke schon. Nicht oft habe ich/wir die Schule geschwänzt. Einmal trampte ich mit einer Freundin morgens bis nach Herborn und….wurden von einem Lehrer mitgenommen. Auf seine Frage, ob wir denn keinen Unterricht hätten stammelten wir irgendetwas vor uns hin. An unseren sicher rot gewordenen Gesichtern sah er genau, dass er angeschwindelt wurde, sagte aber weiter nichts. Wieder zurück von unserer Tour wollten wir die nächsten Stunden doch noch am Unterricht teilnehmen und hatten einen Vertretungslehrer. Und zwar genau den, der uns am Morgen bis nach Dillenburg mitgenommen hatte. Uns war das sehr peinlich und unsere Gesichter glühten, er aber sagte wieder nichts. Puh! Noch einmal gut gegangen. Es gab durchaus sympathische Lehrkräfte. So trampten wir einmal sonntags von Haiger nach Offdilln mit unserem Mathelehrer. Ich tat das auch öfters alleine und ein-zweimal Abends im Dunklen von Ewersbach nach Weidelbach, nachdem mich meine ach so gute Freundin im Stich gelassen hatte. Die Freundin, die ich damals in ihr sah, war sie nicht. Vergesse nie, dass mich eines Tages ihr Vater so nieder machte und ich überhaupt nicht wusste, was los war. Um was es da ging weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall war ich die Böse und hatte keine Ahnung was er von mir wollte. In Geschichten erzählen die nicht stimmten war sie echt gut. Ich kenne einige davon die mich zu guter Letzt den Kontakt zu ihr abbrechen ließen. Wie man lesen kann, hat mir die Schule nicht wirklich Spaß gemacht. Es gab Zeiten, in denen ich schon morgens mit starken Bauchschmerzen hingegangen bin und die erst im laufe des Vormittags so langsam verschwanden. Es gab aber auch die Zeiten, an die ich mich gerne erinnere. Zusammenhalt. Freundschaften. Hilfsbereitschaft. Verständnis. Erste Schwärmereien für Jungs. Klassenfahrten. Und das Tolle ist, dass es immer Klassentreffen gibt. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich das erste Mal hingegangen bin. Meine Unsicherheit verschwand schnell und ich spürte Vertrautheit und Wohlbefinden. Seither habe ich immer mit Anwesenheit geglänzt. Die Schulzeit verbinde ich auch mit der Bravo und mit einer ganz anderen Art der Musik wie unser do, re, mi, fa …..Beat und Schlager. Ich schwärmet für Brian Jones, der leider viel zu früh verstarb, Robin Gibb von den Bee Gees und für Graham Bonney. Wir  haben Unterschriften gesammelt und zu Radio Luxemburg gesandt, damit Graham ziemlich weit nach vorne kam in der Hitparade. Samstag nachmittags beim Baden hörte ich die Sendung und war ganz aufgeregt, ob es für die Spitze gereicht hatte. Radio Luxemburg war ganz wichtig für uns. Hier ein interessanter link: http://www.radiojournal.de/luxi/rtlradio-chronik/index.htm .. Mir fallen noch Hotpants ein, Miniröcke und Maximode. Stiefel bis zur Kniekehle. Batik-Shirts und Pullunder. Boots. Turnschuhe die man in die Waschmaschine steckte und hautenge Jeans.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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